Pferde-ABC

Sehvermögen

Wie bei allen Pflanzenfressern, die sich vor Fressfeinden in Acht nehmen müssen, liegen auch beim Pferd die Augen seitliche am Kopf. Dadurch haben Pferde ein Gesichtsfeld von über 300 Grad.

Auch während des Grasens kann ein Pferd erkennen, ob sich etwas von schräg-hinten nähert. Um den zur völligen Rundumsicht fehlenden Bereich noch zu erfassen, braucht es nur den Kopf etwas seitlich zu drehen. So kann es z.B. fremde Tiere, aber auch Artgenossen aus fast jeder Haltung heraus wahrnehmen.

Wie scharf Pferde sehen, hängt von der Entfernung des betrachteten Gegenstands oder Lebewesens ab. Oft weichen Pferde vor Dingen zurück, die sie unmittelbar vor sich haben, weil sie sie nur verschwommen wahrnehmen. Die seitliche Lage der Augen erschwert zudem das binokulare Sehen, also das Wahrnehmen mit beiden Augen gleichzeitig. Durch das Zurückweichen versucht das Pferd erst einmal im direkten Wortsinn, klarer zu sehen. Wenn ihm dies nicht möglich ist, etwa weil es angebunden ist oder von seinem Reiter gehindert wird, kann es sich zum Steigen oder zum Scheuen veranlasst sehen.

Auch die Fluchtdistanz im Freileben hängt größtenteils mit dem Sehvermögen zusammen. Wieweit Pferde Farben und Farbtöne unterscheiden können, ist immer noch nicht restlos geklärt. Als ziemlich gesichert gilt, dass Pferde die Farbbereiche Gelb und Grün besser erkennen können als kräftige Blau- und Rottöne. Viele fragen sind aber noch offen zum Beispiel, wie ein Pferd mehrfarbige Dinge und Tiere wahrnimmt, oder welche Lichtverhältnisse zum Farbsehen nötig sind. Solche Forschungen sind unter anderem deshalb nicht einfach, weil meist andere Wahrnehmungsbereiche wie der Geruchssinn und der Gehörsinn das Verhalten das Verhalten eines Pferdes mit beeinflussen.